Computer im Unterricht – Segen oder Fluch?

  05. April 2019

Martin Korte, Professor an der TU Braunschweig, wird in der ZEIT No 14 (vom 28. März 2019) zitiert, dass wir mittlerweile ein „Google-Gehirn“ haben: Bilder von der University of California zeigen wolkenförmige Schatten auf Gehirnbildern von Menschen, die im Internet surfen. Wenn wir uns dagegen auf analoges Material konzentrieren, erscheinen Streifen auf den Gehirnbildern. Die Bedeutung dieser „Wölkchen“ besteht darin, dass eine Studie im Jahr 2008 – ein Jahr nach Einführung des iPhones – eine negative Korrelation zwischen Computer-Nutzung im Unterricht und Lernerfolg der Schüler festgestellt wurde. Im Klartext heißt das:

Je mehr Schüler sich mit elektronischen Geräten beschäftigen, desto schlechter lernen sie. Laut Korte hat „die Digitalisierung der Kinderzimmer“ etwas mit Konzentrationsstörungen in der Schule zu tun.

Damit unterstreicht Prof. Korte die Aussagen von Prof. Manfred Spitzer, der bereits bei „Hart aber fair“ eine kontroverse Diskussion zu seiner Forderung „Handy-Verbot bis 18“ geführt hatte und seine Thesen in diversen Publikationen veröffentlicht. Sind diese (vermeintlichen) Extrempositionen nicht der Rede wert? Oder zeigen die beiden Wissenschaftler exemplarisch auf, welche – im Zweifel katastrophalen – Nebenwirkungen die schöne neue digitale Welt mit sich bringt?

Dass Schüler den vielzitierten „Umgang mit digitalen Medien“ lernen sollen, ist das eine. Wie, in welchem Umfang und mit welchen ausgleichenden Aktivitäten – analoge Bücher lesen, sportlich und/ oder mit Gegenständlichem sich beschäftigen, ob im Labor oder im Garten – dies gezielt getan wird, ist das andere. Allein auf eine Karte zu setzen und quasi heilsbringerische Effekte zu erwarten, wäre nicht nur naiv, sondern auch verantwortungslos. Der Mensch ist körperlich und geistig noch weitestgehend derselbe, der er in der Neandertaler Höhle gewesen ist. Die Informationsverarbeitung reagiert daher prinzipiell noch auf die gleichen Anforderungen wie seinerzeit. Maschinen waren noch die verstärkten Muskeln des Menschen. Computer und vor allem dadurch ausgelöste Reizüberflutung stören unsere ererbten kognitiven Verarbeitungsprozesse. Eine systematische wissenschaftliche Begleitung und Erforschung der notwendigen Anpassungsleistungen des homo sapiens sind dringend notwendig.


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