Sie sind glücklich oder zufrieden?

  13. Mai 2019

Nach Daniel Kahnemann ist die Antwort abhängig vom Gedächtnis. In Quartz schreibt Ephrat Livni über den Unterschied zwischen Glück und Zufriedenheit gemäß der Definition des Wirtschafts-Nobelpreis-Trägers von 2002: Kahnemann unterscheidet zwischen kurzfristigem, aktuellem Glück und langfristiger, vergangenheitsbezogener Zufriedenheit.

Die meisten Menschen würden die langfristige Lebenszufriedenheit dem momentanen Glücksgefühl vorziehen. Für Letzteres suchen Menschen dazu vermehrt soziale Kontakte und treffen sich entsprechend häufig mit Freunden. Demgegenüber können andere auch für sich allein sein, wenn sie langfristigere Ziele verfolgen. Die Konstruktion einer Lebensgeschichte entlang wertvoller Inhalte und einem Sinn ist allerdings nicht notwendigerweise objektiv. Sinngebung erfolgt immer individuell, auch wenn wir in vielerlei Hinsicht von der Rückmeldung und Bestätigung durch unser soziales Umfeld beeinflusst werden. Dies zeigt sich in den immensen Social-Media-Aktivitäten.

Iddo Landau vertieft die Sinnfrage, wie in einem weiteren Quartz-Artikel vom selben Autor dargelegt wird: Der Sinn unseres Leben kann in der Reflexion desselben wahrgenommen werden. Bedeutung geben wir unserem Dasein, indem wir es uns bewusst machen. Und im Prozess dieser Bewusstwerdung einen Sinn erzeugen. Als ein bekanntes Beispiel wird Viktor Frankl genannt, welcher sein (Über-)Leben in einem KZ durch die Gedanken an seine Frau, die Hilfe für andere Insassen, sowie die beabsichtigte Niederschrift seiner Erlebnisse bedeutsam machte. Er wusste weder, dass seine Frau zwischenzeitlich (in einem anderen KZ) verstorben war, noch ob er selbst überleben würde. Auch starben sehr viele Mithäftlinge. Alles dies hat ihn nicht daran gehindert, für sich einen Sinn zu schaffen. – Welche Bedeutung geben wir was oder wem, ist die reflexive Frage zur sinnhaften Lebensgestaltung.

Zufriedenheit entsteht also durch ein sinnvolles Leben in der Rückbetrachtung. Glück ist das momentane Flow-Erleben, wenn man in einem Augenblick sich selbst vergisst, während man in einem Tun oder Nichtstun aufgeht. Ersteres kann man erleben, indem man etwas für sich Bedeutungsvolles langfristig verfolgt bzw. sein Leben bewusst wahrnimmt; Letzteres entsteht im jeweiligen Moment der vollständigen Konzentration im Hier und Jetzt.

 


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