KI – Deutschland liegt zurück. Aber worum geht es überhaupt?

  20. Juli 2018

„Deutschland hinkt mit der Digitalisierung hinterher!“. So oder so ähnlich lesen und hören wir es immer wieder. Ein Problem? Nun ja, das kommt ganz auf den Blickwinkel des Betrachters an. Noah Harari, Historiker und Autor, bringt in seinem Interview mit der WirtschaftsWoche einen ganz anderen Gesichtspunkt ins Gespräch: globale Kooperationen in dem Bereich KI. Warum? Weil wir uns nur so vor Gefahren künstlicher Intelligenz schützen können. Als Beispiel führt er autonome Waffensysteme auf: Sollten auch nur ein paar Länder aus einem Abkommen ausscheiden, werden alle anderen folgen um ein Angriffsrisiko zu vermeiden. Nur durch globale Abkommen kann das verhindert werden.

Solche Kooperationen und Abkommen sind natürlich nicht einfach zu erreichen. Tatsächlich hat Harari Sorge, dass „natürliche Dummheit“ weitaus gefährlicher für die Menschheit sei als KI. Sollten deshalb menschenähnliche Maschinen für Vertrauen sorgen? In dieser Frage steckt ein häufiger Denkfehler: Intelligenz wird mit Bewusstsein gleichgesetzt. In diversen Science-Fiction Filmen mag das Realität sein – ein Mann verliebt sich in eine von ihm entwickelte Maschine, die ihn letztendlich umbringt. Laut Harari geht es dabei aber nicht um KI, sondern „um Männer, die Angst vor intelligenten Frauen haben“. Denn: Maschinen haben kein Bewusstsein. Da bei uns Menschen beides zusammengehört, fällt es schwer, sich Intelligenz ohne Bewusstsein vorzustellen.

Wohin uns KI einmal führen wird, ist heute unabsehbar. Möglicherweise werden Maschinen eines Tages sogar ein Bewusstsein haben. Fest steht, dass wir als globale Gesellschaft wichtige Entscheidungen zu treffen haben. Und uns dabei möglichst nicht von „natürlicher Dummheit“ leiten lassen sollten.

Leonie Hentrup


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