Innovation – reinvented

  08. Mai 2019

In der aktuellen Ausgabe des Magazins changement! wird von Imke Keicher Innovation als Inbegriff der neuen Arbeitswelt präsentiert. Die Autorin stellt die rhetorische Frage: „Was denn sonst?“ und setzt fort: „Warum sich Unternehmen heute im Zustand der permanenten Selbsterneuerung befinden“. – Leider bleibt die Antwort im Wesentlichen unbefriedigend: Es werden bekannte Schlagworte aufgegriffen, eher vordergründig in einen Zusammenhang gebracht und lose Hinweise zur Bewältigung der anstehenden Herausforderungen formuliert, wie z.B.: „Geschäftsmodellinnovationen“, „Denken Sie schon exponentiell?“, „Schwarmintelligenz“, „Co-Kreation“, „Ausprobieren ist das neue Konzipieren“ und die „Innovations-Wunderwaffe Empathie“. Leider werden die Erwartungen an verwendbare Informationen enttäuscht.

Relevante Voraussetzungen für Innovation und Kreativität sind unserer Erfahrung nach zum einen die Unternehmenskultur, welche für Neues prinzipiell offen sein sollte, einen transparenten Umgang mit kritischen Ereignissen pflegt, tolerant gegenüber abweichenden Meinungen ist und konstruktiv mit Fehlern umgeht. Im unmittelbaren Zusammenhang damit steht der Führungsstil in der Organisation, der kooperativ und kollegial geprägt sein sollte. Ein besonderer Faktor für Innovation und Kreativiät ist die Psychologische Sicherheit: Diese bedeutet, das niemand, der eine abweichende Meinung äußert, Angst vor Abwertung, Ausgrenzung oder sonstigen negativen Konsequenzen haben muss. Weiterhin ist – ganz im Gegenteil zur aktuellen „Purpose“-Welle – gerade die quasi zweck-freie Herangehensweise ein wesentlicher Erfolgsfaktor; spielerisch, also ohne Zwang und (Erfolgs-)Druck, sondern mit Leichtigkeit und Spaß, können neue Ideen entstehen. Wichtig ist, „Group-Think“ zu verhindern: Meinungsführerschaft und Einengung bis Unterdrückung anderer Sichtweisen hat u.a. 1986 zur Reaktorkatastrophe in Tchernobyl geführt; Brainstorming verhindert auch Ideen und führt – obwohl gerade das Gegenteil angestrebt wird – zu einer eingeschränkten Sicht auf Lösungen; formale und informelle Machtausübung in Gruppen reduziert massiv Optionen. Auch paradoxe Aufforderungen – „seien Sie jetzt mal richtig kreativ!“ – sind kontraproduktiv: Eine spontane Denk- oder Handlungsweise kann nicht angeordnet werden, vielmehr wird durch die Vorgabe verhindert, dass der Effekt eintritt. Hilfreich sind dagegen unterschiedliche Sichtweisen auf ein Thema: In einem herrschaftsfreien Diskurs (welcher natürlich durch die Ausprägungen der Beziehungsebene zwischen den Beteiligten immer eingeschränkt ist) können so neue Perspektiven wahrgenommen, verwendet, abgewogen, modifiziert und als Vorlage für weitere Ideen genutzt werden. Bei prozessualen und technischen Fragen ist die Möglichkeit des Ausprobierens wichtig: Im Testen bzw. Probehandeln lassen sich unbekannte Konsequenzen entdecken und direkt in die Konzeptbildung zurückführen.

Fazit: Innovation lässt sich nicht einfach einführen, sondern kann sich entwickeln, wenn der Raum dafür geschaffen wird.


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