„Hier wird der neue Mensch programmiert“

  04. Juni 2019

schreibt DIE ZEIT No 22 (23. Mai 2019) zur Rezension des neuen Romans von Ian McEwan „Maschinen wie ich“ (Zürich 2019). Die Handlung spielt im Jahre 1982 und einer Welt, in der Androiden Realität geworden sind. Ein kinderloses Ehepaar kauft einen solchen als geplanten Familienzuwachs. Die (vorletzte) Pointe: Der Roboter hat eine Affäre mit seiner Frau.

Was als britischer Humor daherkommt, wurde und wird ja bereits anderweitig ausführlich diskutiert. Hier macht der Autor deutlich, dass die ideale Version von Robotik und sogenannter künstlicher Intelligenz die fehlerfreie menschliche Maschine ist. Um Missverständnissen vorzubeugen: Der One-Night-Stand gehört zum Repertoire der Programme, die moralische Dimension ist auch ein Ergebnis mathematischen Kalküls.

Woran jedoch „Adam“ (sic!) scheitert, ist nicht seine künstliche Intellgenz (von Shakespeare bis vollständige Datenbanken-Inhalte), sonder die – für uns Menschen schlichte – Fähigkeit, Fünfe gerade sein zu lassen: Der Android kann Paradoxien oder alltägliche Widersprüche nicht analog eines Menschen auflösen. Notlügen, die ja sogar Beziehungen am Leben erhalten sollen, kennt „Adam“ nicht. Dafür den Kant´schen Imperativ und handelt danach. Er dessavouiert seine Herrin, die mittels einer Notlüge einen Verbrecher zu Fall bringt. Der „menschliche Makel“ (Philipp Roth) in Form von Taktieren, Notlügen und „Pokern“ fehlt der perfektien Maschine. Alles das, was uns – neben dem  Verstand – menschlich macht, ist nicht vorhanden. Ob die Schlusspointe: „Die Androiden zerstören sich selbst, um nicht mit solchen Mängelwesen zusammenleben zu müssen“, die zukünftige Lösung für uns sein wird, bleibt offen.


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