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Human Centric Change

Eine Frau im Business-Outfit sitzt an einem Tisch in einem modernen Büro und spricht gestikulierend mit einem Mann, der ihr gegenübersitzt. Beide befinden sich in einem Gespräch vor großen Fenstern mit Blick auf Bürogebäude.

Vanessa, Projektleiterin für Digitalisierung

Mein Name ist Vanessa, ich bin 29 Jahre alt und leite in einem mittelständischen Logistikunternehmen die Einführung einer neuen KI-Software zur Prozessoptimierung. Technisch ist das Tool eine brillante Innovation, doch ich stehe vor einer massiven Herausforderung: Mein Management fordert eine schnelle Implementierung, kurze Schulungen und sofortige Effizienzgewinne. Zeit für „weiche Faktoren“ ist im Budget nicht vorgesehen. Gleichzeitig erlebe ich in der Belegschaft das genaue Gegenteil: Die Angst vor der KI als Jobkiller lähmt die Stimmung, der „Flurfunk“ ist toxisch, und langjährige Kollegen fühlen sich entwertet. Ich möchte diese Transformation als echten „Human Centric Change“ gestalten, weiß aber nicht, wie ich diesen Anspruch in unserer starren Organisation und unter dem enormen Zeitdruck realisieren soll, ohne als Bremserin zu gelten. Ich suche dringend Antworten auf vier konkrete Fragen, um diesen Spagat erfolgreich zu meistern: Was bedeutet der „Human Centric“-Ansatz ganz konkret für die Planung in einem solchen Spannungsfeld? Wie kommuniziere ich richtig gegen die Angst und die Gerüchteküche? Was bedeutet dieser Weg konkret für unsere Führungskräfte? Wie überzeuge ich mein Management davon, dass dieser „teure“ Weg, der einzig wirtschaftliche ist?

Dr. Bönings Antworten

Liebe Vanessa, Ihre prägnante Schilderung bringt das Dilemma moderner Projektleiterinnen und Projektleiter auf den Punkt. Sie befinden sich in der klassischen „Sandwich-Position“: Von oben drückt die Erwartungshaltung des Managements nach schnellen Ergebnissen, von unten steigt die Hitze emotionaler Widerstände der Employees. Dass Sie intuitiv spüren, dass technokratische Lösungen hier nicht greifen, ehrt Sie. Sie haben erkannt, dass es selten die Technik ist, die scheitert, sondern der Faktor Mensch, der bei der Transformation ignoriert wird. In Ihrer Situation bedeutet das, die psychologische Notwendigkeit von Empathie in die harte Währung des Business-Erfolgs zu übersetzen. Lassen Sie mich Ihre vier Kernfragen strategisch und psychologisch fundiert beantworten.

»Was bedeutet der „Human Centric“-Ansatz ganz konkret für die Planung in einem solchen Spannungsfeld?«

Der Begriff „Human Centricity“ wird oft missverstanden als reines „Nett-Sein“ zu den Mitarbeitern. In Wahrheit ist es eine harte ökonomische Anforderung in komplexen Systemen. Konkret bedeutet es für Ihre Planung, den Prozess radikal umzukehren: Planen Sie nicht vom System her („Was kann die KI?“), sondern von der Realität der Belegschaft her. Sie müssen weg vom Bild des passiven Befehlsempfängers hin zum mündigen Employee, der die Veränderung aktiv trägt.

In der klassischen Lehre wird oft der Fehler gemacht, Change als linearen technischen Prozess zu sehen: „Rollout → Schulung → Nutzung“. Das funktioniert bei Maschinen, aber soziale Systeme reagieren darauf mit Abstoßung. Für Ihre Planung heißt das, dass Sie vor allem drei zentrale Punkte beachten müssen.

  1. Vom „Need“ her denken: Analysieren Sie zuerst, welchen Need die Menschen haben, die das System nutzen sollen. Wo drückt der Schuh im aktuellen Prozess wirklich? Wenn Sie die KI als Lösung für ein bestehendes Problem der Mitarbeiter (z.B. lästige Routinearbeiten) positionieren, erzeugen Sie Sog statt Druck.
  2. Partizipation statt Instruktion: Planen Sie regelmäßige Zeitfenster ein, in denen die Kollegen nicht nur geschult werden, sondern die Ausgestaltung der Arbeitsprozesse mitdiskutieren können. Das verzögert zwar den Start, beschleunigt jedoch die spätere Adaption massiv.
  3. Ehrlichkeit in der Planung: Ein menschenzentrierter Plan berücksichtigt, dass die Produktivität in der Lernphase zunächst sinkt (das „Tal der Tränen“). Planen Sie diesen Knick ein, statt ihn zu ignorieren. Damit nehmen Sie den Druck aus dem Veränderungsprozess und schaffen Realismus.

Der Preis für diesen Weg ist, dass die Entscheidungsfindung anfangs zäher ist, da vielfältige Meinungen integriert werden müssen. Doch wenn Sie hier sparen, zahlen Sie später doppelt durch Fehlerbehebung und Demotivation. Erfolg ist hier kein Sprint, sondern ein Marathon.

»Wie kommuniziere ich richtig gegen die Angst und die Gerüchteküche?«

Angst ist ein schlechter Ratgeber, aber ein mächtiger Gegner. Wenn unser Gehirn Angst hat (z.B. vor Statusverlust), ist der Zugang zu rationalen Argumenten blockiert. Rationale Appelle an „Effizienz“ verhallen dann ungehört. Um die Widerstände aufzulösen und das Gehirn wieder aufnahmebereit zu machen, müssen Sie Ihre Strategie der Kommunikation darauf anpassen.

Zeitintensive 1-zu-1-Gespräche statt Massenkommunikation
Verabschieden Sie sich von der Illusion, eine Townhall oder eine Rundmail könne Angst nehmen. Echter Wandel geschieht im Dialog, Auge in Auge. Das ist mühsam und zeitintensiv, aber alternativlos. Sie müssen dort präsent sein, wo die Sorgen entstehen. Durch diese persönliche Ansprache würdigen Sie jeden Employee als Individuum und nehmen ihnen das Gefühl, nur eine Nummer im Unternehmen zu sein.

Der Rückkanal ist gleichwertig zur Sendung
Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Das Feedback der Mitarbeitenden – ihre Sorgen, ihre Wut, ihre Ideen – ist genauso wichtig wie Ihre Botschaft. Sie müssen einen offenen Raum für Sorgen schaffen (z.B. „Mecker-Stunden“ oder anonyme Briefkästen), in dem Tacheles geredet werden darf, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Psychologische Sicherheit ist das Fundament. Wenn Kritik sanktioniert wird, geht sie in den Untergrund und wird zur Sabotage.

Fokus auf das „Warum“ und die Notwendigkeit
Erklären Sie nicht das „Wie“ (Features), sondern das „Warum“. Warum ist dieser Schritt für das Überleben der Firma existenziell? Wenn wir nicht automatisieren, gefährden wir langfristig alle Arbeitsplätze. Diese Ehrlichkeit ist zumutbar. Verstehen die Mitarbeiter die Unvermeidbarkeit nicht, werden sie das Neue nur simulieren („Dienst nach Vorschrift“), aber nicht leben. Geben Sie klare, erwachsene Aussagen.

Fortlaufende Kommunikation gegen Unsicherheit
Der „Flurfunk“ füllt immer die Lücken, die Sie ihm durch Ihre offizielle Kommunikation lassen. Unser Gehirn hasst Unsicherheit. Etablieren Sie eine Change-Kommunikation, die wie ein stetiger Trommelschlag informiert, selbst wenn es nichts Neues gibt. „Wir wissen es noch nicht genau“ ist eine vertrauensbildende Aussage, die dem Flurfunk die Grundlage nimmt.

Beachtung von Einzelmeinungen
Identifizieren Sie informelle Meinungsführer. Binden Sie diese frühzeitig ein. Ein gewonnener Skeptiker ist der glaubwürdigste Botschafter für die neue Strategie.

»Was bedeutet dieser Weg konkret für Führungskräfte?«

Dies ist oft der unterschätzte Knackpunkt. Human Centric Change bedeutet signifikant mehr Führungsaufwand. Der Wegfall von „Command & Control“ schafft kein Vakuum, sondern erfordert eine neue Qualität von Leadership, um erfolgreich zu sein.

  • Vom Ansager zum Moderator: Führungskräfte müssen Entscheidungen heute nicht mehr nur verkünden, sondern diskutieren, erklären und verteidigen. Sie müssen Aushandlungsprozesse moderieren.
  • Emotional Container: Führungskräfte fungieren als „emotionale Mülleimer“ für die Ängste ihrer Teams. Sie müssen Frust aushalten können, ohne ihn persönlich zu nehmen oder sofort zurückzufeuern. Das erfordert hohe Resilienz und emotionale Stabilität.
  • Präsenz zeigen: Es reicht nicht, Türen offen zu halten; man muss durchgehen. Führungskräfte müssen eine hohe Präsenz für Rückfragen zeigen.

Aber Vorsicht! Oft haben die Vorgesetzten selbst Angst vor der Transformation. Wenn Führungskräfte nicht befähigt sind, diesen Druck zu managen, geben sie ihn ungefiltert weiter. Ein begleitendes Coaching der Führungsebene ist daher oft keine Kür, sondern Pflicht, um sie in ihrer neuen Rolle zu stärken. Auch Workshops zur Unternehmenskultur sind hier essenziell, um ein gemeinsames Verständnis der neuen Führung zu etablieren. Wir bei BÖNING CONSULT beraten Sie hier natürlich gerne zu Ihren Möglichkeiten.

»Wie überzeuge ich mein Management davon, dass dieser „teure“ Weg, der einzig wirtschaftliche ist?«

Dies ist Ihre schwerste Aufgabe, da Ihr Management in Quartalszahlen denkt. Deshalb müssen Sie die Logik umkehren. Nicht der Human-Centric-Ansatz ist teuer, sondern der Verzicht darauf. Argumentieren Sie mit dem „Cost of Inaction“ (COI).

Investition statt Kosten
Rechnen Sie vor: Wenn die Employee Experience leidet und die Kollegen die Software boykottieren oder Workarounds bauen, ist das investierte Kapital für die Lizenzen verbrannt. Ein nicht genutztes Tool hat einen ROI von Null. Sie investieren also jetzt Zeit in die Abstimmung, um später Geschwindigkeit und Akzeptanz zu gewinnen.

Risiko-Minimierung
Ohne Partizipation riskieren Sie passiven Widerstand, erhöhte Krankenstände (z.B. durch Stress) oder die Abwanderung von Leistungsträgern. Die Kosten für Recruiting und Einarbeitung neuer Mitarbeiter übersteigen die Kosten für Dialogformate bei weitem. Das ist pures Risikomanagement.

Leadership-Verantwortung
Machen Sie dem Management klar: „Wir brauchen Sie als Sponsor.“ Wenn die Spitze die Veränderung nicht vorlebt, verpufft alles. Leadership bedeutet heute, Menschen auch durch Stürme zu führen, nicht nur bei schönem Wetter am Steuer zu stehen.

Ein abschließender Gedanke

Vanessa, Sie muten Ihrem Unternehmen viel zu, jedoch im positivsten Sinne. Sie fordern einen Kulturwandel. Das kostet Kraft. Aber es ist der einzige Weg, der nachhaltig funktioniert. Bleiben Sie bei Ihrem menschenzentrierten Ansatz und suchen Sie den transparenten Dialog.

Wir bei BÖNING CONSULT wissen: Change ist nicht gleich Change. Jede Organisation braucht ihre eigenen Methoden. Nutzen Sie Coaching für sich selbst, um Ihre Resilienz zu stärken. Um den Need der Menschen zu treffen und sie emotional abzuholen, müssen Sie den Veränderungsprozess sauber aufsetzen. Es ist entscheidend, dass Sie eine klare strategische Linie haben und diese in allen Phasen durchhalten. Wir unterstützen Sie gerne dabei, diesen Weg erfolgreich zu gehen.

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