Über kaum eine Generation wird derzeit so viel gesprochen wie über die Generation Z. Sie gilt als fordernd, wenig belastbar, schwer zu führen. Und vielleicht stimmt davon sogar einiges.
Am vergangenen Freitag haben wir im Frankfurter PresseClub eine Veranstaltung mit jungen Leuten aus der Gen Z und gestandenen Managern durchgeführt – eine sehr lebendige, erkenntnisreiche Veranstaltung. Beide Seiten haben gemerkt, dass Kommunikation ohne Aggression hilft, Hinhören und Verstehen zu ermöglichen. Alle Teilnehmer konnten diese Erfahrung mit in ihren Arbeitsalltag nehmen.
Aber vielleicht schauen wir auch an der entscheidenden Stelle im Berufsalltag nicht genau genug hin. Denn die Generation Z stellt Fragen, die unbequem sind – nicht, weil sie falsch sind, sondern weil sie lange nicht gestellt wurden:
-Warum arbeite ich so viel?
-Wofür lohnt sich Leistung und Einsatz?
-Und wer entscheidet eigentlich, was wichtig ist?
Viele Führungskräfte reagieren darauf mit Irritation. Sie erleben junge Mitarbeitende, die Erwartungen formulieren, die früher nicht verhandelbar waren. Doch genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung. Ich bin sicher: Nicht die Generation Z ist neu. Die Fragen sind neu. Oder genauer gesagt: Sie werden endlich ausgesprochen.
Eine Generation, die Sinn einfordert, stellt eigentlich kein Problem dar. Sie legt offen, wo Organisationen und damit Managern und Managerinnen überzeugende Antworten fehlen. Vielleicht geht es also nicht darum, die Generation Z „zu verstehen“, sich oder die Gen Z „anzupassen“. Vielleicht geht es darum, uns selbst zu hinterfragen:
- Was erwarten wir eigentlich von Arbeit?
- Welche Haltung haben wir zu Leistung?
- Und wie ehrlich sind unsere Antworten auf die Fragen der nächsten Generation?
Die Generation Z ist nicht nur anspruchsvoll. Sie ist ein Spiegel. Und wie jeder Spiegel zeigt sie nicht nur, was wir sehen wollen.
Und eines muss ich gestehen: Es ist anstrengender und herausfordernder, Menschen aus der Generation Z zu führen. Ich muss mehr erklären. Die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit verschwimmen gelegentlich. Aufgaben müssen vermittelt und nicht einfach angewiesen werden. Das alles ist für mich als Vorgesetzte ein echtes Learning. Es bringt mich weiter und trainiert mein Kommunikations-Spektrum.
Lassen Sie uns trainieren und nicht frustrieren.
Für heute die besten Grüße und guten Wünsche zum bevorstehenden Osterfest.
Brigitte Fritschle
BÖNING CONSULT®