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AI DRIVEN LEADERSHIP – Interview mit Dr. Uwe Böning und Prof. Dr. Swen Schneider

Ausschnitt aus dem managerSeminare Heft der Ausgabe Mai 2026 über AI DRIVEN LEADERSHIP
Moderne Atmosphäre mit einen Geschäftsführer der am Laptop sitzt und telefoniert

Die KI ist nicht allein ein technologischer Durchbruch. Sie hat auch verborgene Wirkungen! Der folgende kurze Dialog greift gerade diese auf: Es geht nicht um vordergründige Effizienz und Schnelligkeit, nicht um spektakuläre Wirkungen der Technik. Es geht um das schleichende Risiko unserer Erkenntnisfähigkeit, unserer Urteilskraft und unserer Weitsicht.

 

Dr. Uwe Böning: Hallo Swen! Was sind aus Deiner Sicht die zwei bemerkenswertesten Einsatzmöglichkeiten der KI, die es heute schon gibt?  

 

Prof. Swen Schneider: Ich würde sagen: Die zwei bemerkenswertesten Einsatzmöglichkeiten liegen nicht in spektakulären Einzelanwendungen, sondern in zwei stillen Revolutionen.  Erstens in der radikalen Verdichtung von Wissen: KI ist in der Lage, in Sekunden das zu leisten, wofür wir früher Tage oder Wochen gebraucht haben: Literatur sichten, Argumente strukturieren, Positionen gegeneinanderstellen. Das verändert nicht nur die Geschwindigkeit – es verändert auch die Art, wie wir denken. Denn wer jederzeit eine synthetisierte Übersicht bekommt, läuft Gefahr, das eigene Ringen um Erkenntnis zu überspringen. Der eigene Denkprozess wird effizienter – aber auch flacher. Die zweite und noch tiefgreifendere Anwendung ist die Simulation von Dialog und Urteilskraft. Wir sprechen nicht mehr nur mit Maschinen, wir testen Gedanken an ihnen. KI wird zu einem Sparringspartner, der Widerspruch formuliert, Perspektiven wechselt, Hypothesen weiterdenkt. Das ist faszinierend – aber auch gefährlich. Denn dieser Dialog ist letztlich nur ein Echo-Raum aus statistischen Wahrscheinlichkeiten, kein Gegenüber mit Verantwortung oder Erfahrung. Die nächste Entwicklungsstufe der KI wird nicht primär technischer Natur sein, sondern psychologisch und organisatorisch. Wir werden erleben, dass KI zunehmend in Entscheidungsprozesse integriert wird – aber nicht nur vorbereitend, sondern mitgestaltend.

 

Swen: Aber was sind denn die beiden bedrohlichsten Auswirkungen von KI überhaupt aus Deiner Sicht?

Uwe: Die größten Risiken sind nicht dort, wo sie öffentlich am lautesten diskutiert werden. Es geht weniger um Maschinen, die außer Kontrolle geraten – sondern um Menschen, die sich unmerklich verändern. Die aus meiner Sicht gefährlichste Entwicklung ist die schleichende Erosion der eigenen Urteilskraft. Denn KI liefert uns in beeindruckender Geschwindigkeit plausible, oft sehr gut formulierte Antworten. Und genau darin liegt das Problem: Wir gewöhnen uns daran, Ergebnisse zu übernehmen, ohne den Weg dorthin selbst gegangen zu sein. Eigene Urteilskraft entsteht aber nicht durch das Konsumieren von Antworten, sondern durch das Ringen mit Unsicherheit und Irrtümern, durch das eigenständige Durchdenken von Zusammenhängen. Wenn dieser Prozess zunehmend ausgelagert wird, verlieren Menschen nicht einfach ihr Wissen – sondern ihre Fähigkeit, Bedeutungen aus Abläufen und Gedanken zu verstehen – und auch selbst zu erzeugen. Ein leiser Prozess – aber mit tiefgreifenden Konsequenzen – gerade für Führung, für Wissenschaft, für gesellschaftliche Diskurse. Und die zweite Bedrohung ist noch subtiler – und noch brisanter: eine systematische Verstärkung bestehender Denkfehler. KI basiert auf Daten, Mustern und Wahrscheinlichkeiten – und reproduziert damit auch Verzerrungen, Vereinfachungen und dominante Narrative. Wenn Menschen bereits mit kognitiven Biases in Entscheidungen gehen, dann kann KI diese nicht nur bestätigen, sondern sogar hoch effizient verstärken. Wir bekommen dann keine besseren Entscheidungen – sondern schneller stabilisierte Fehlannahmen. Das Gefährliche daran: Die Ergebnisse wirken so objektiv und rational, dass kaum Widerspruch entsteht. Also klar: Die KI bedroht nicht primär unsere Arbeitsplätze. Sie bedroht unsere intellektuelle Selbstständigkeit! 

 

Das Interview finden Sie in der managerSeminare Ausgabe 05/2026 → Zur Ausgabe

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