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Und wie sah Ihre Schultüte aus?

300 Jahre alt und heute so aktuell wie damals. Happy Birthday liebe… Schulpflicht. Wie aufregend das damals war. Eltern erinnern sich oft noch lebhaft(er) daran.

Sie war rosa und pink. Von meiner Mutter selbst und mit augenfälliger Liebe selbst gebastelt. Meine Initialen aus Tonpapier bildeten – neben dem heißersehnten Inhalt – das Highlight. Die weiße Tüllschleife kratze leicht am Kinn, wenn man sie zu fest drückte. Umarmt habe ich sie trotzdem – diesen Tütentraum, der jede Prinzessin und wahrscheinlich auch Konditoren hätte vor Neid erblassen lassen. Mit breitem Zahnlückengrinsen, hohen Pippi Langstrumpf Zöpfchen und einem leuchtend blauen Oilily-Kleidchen strahle ich in die Kamera. Neben mir eine Schiefertafel mit Datum. Denkwürdige Ereignisse müssen eben verewigt werden. Hier mit Kreide und Kamera.

Umso erstaunlich wie wenig mediale Beachtung der Geburtstag der Schulpflicht findet (kurze Beiträge im Deutschlandfunk und der RBB). Und dabei hatte sie es nicht leicht. Gegen den lautstarken Widerstand der Gutsbesitzer und der Landbevölkerung – die die Kinder lieber auf dem Feld arbeiten lassen wollten – wurde die Schulpflicht in “königlichen Domänen” am 28. September 1717 durch ein Edikt des preußischen Königs eingeführt. Okay, es dauerte noch einmal rund hundert Jahre, bis wirklich die Mehrheit der Kinder eine Schule besuchte. Mit dem Verbot der gewerblichen Kinderarbeit 1904 erreichte sie dann ihre tatsächliche Wirksamkeit. Und dennoch…

Wir gratulieren, schwelgen, schmunzeln und geben weiter. Und wie sah Ihre aus?

Caroline Pirlet