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Effectuation…

beschreibt eine von Unternehmern verwendete Entscheidungslogik. Saras D. Sarasvathy führte Ende der 1990er Jahre Untersuchungen mit erfolgreichen Unternehmern durch, um deren Denkweise und ihren Weg zum Erfolg zu verstehen. Ihre Forschungsergebnisse zeigten, dass 89% dieser Unternehmer nicht vorrangig und wie im klassischen Management üblich kausale Logik verwendeten, sondern eine Denkweise, die Sarasvathy 2001 als Effectuation bekannt machte.

Kausale Logik vs. Effectuation:

Kausale Logik bedeutet: Ein Ziel wird ins Auge gefasst und daraufhin werden Mittel gesucht und gegeneinander abgewogen, um dieses Ziel zu erreichen. Dieses Vorgehen ist in etablierten Märkten mit etablierten Produkten sinnvoll, da Vorhersagen hier relativ verlässlich sind und wenig Gestaltungsfreiraum besteht. Effectuation dagegen geht von den vorhandenen Mitteln aus, um mögliche Ziele, die mit ihnen erreicht werden können, zu bestimmen. Das ist besonders unter unsicheren und ungewissen Marktumständen sinnvoll, da so flexibel auf veränderte Gegebenheiten reagiert werden kann (siehe VUCA und Agilität). Der Unterschied zwischen beiden Denkweisen liegt also auf der Entscheidungsebene. Im ersten Fall wird zwischen verschiedenen Mitteln, ein gegebenes Ziel zu erreichen, entschieden, im zweiten Fall zwischen verschiedenen Zielen, die mit den vorhandenen Mitteln erreicht werden können.

Ein Beispiel:

Zur Veranschaulichung stellt Sarasvathy zwei Möglichkeiten gegenüber, wie ein Koch die Aufgabe, ein Abendessen zuzubereiten umsetzen kann. Unter kausaler Logik nennt der Restaurantleiter dem Koch das gewünschte Menü, der Koch stellt daraufhin eine Zutatenliste zusammen, kauft ein, wägt zwischen verschiedenen Zubereitungsarten ab und bereitet das Menü schließlich mit der effizientesten Methode zu. Unter Effectuation trägt der Restaurantleiter dem Koch auf, aus den bereits vorhandenen Zutaten ein Menü zuzubereiten. Dieser betrachtet dann die vorhandenen Mittel (Zutaten) und überlegt, welche verschiedenen Menüs (Ziele) er mit Ihnen erreichen kann. Dann wählt er das am attraktivsten erscheinende Menü aus und bereitet es zu.

Die vier Effectuation Prinzipien:

  1. Mittelorientierung: Es geht nicht darum, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, unabhängig von den Mitteln, die dafür nötig sind. Es geht darum, mit den vorhandenen Mitteln, das bestmögliche Ziel zu erreichen.
  2. Leistbare Verluste: Jeder Schritt wird so vollzogen, dass potentielle Verluste leistbar sind. Es wird nicht alles auf eine Karte gesetzt, sondern verschiedene Lösungen werden verfolgt.
  3. Umstände und Zufälle sind Chancen: Anders als im klassischen Management wird kein Fokus auf Risikominimierung gesetzt. Neue Umstände/Zufälle werden als neue Möglichkeiten begrüßt und Zielvorstellungen dementsprechend angepasst (siehe Design Thinking).
  4. Vereinbarungen mit interessierten Partnern treffen: Da die Zielvorstellungen flexibel sind, werden nicht ideale Partner für vorhandene Ziel gesucht, sondern Vereinbarungen mit interessierten Partnern getroffen und die Zielvorstellungen an die neuen Partner angepasst.
leonie-hentrup

Leonie Hentrup

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Effectuation…

ist eine Entscheidungslogik, mit der unter ungewissen Bedingungen erfolgreich gehandelt werden kann. Anders als im klassischen Management werden nicht Mittel gesucht, um ein festgelegtes Ziel zu erreichen, sondern Möglichkeiten und Ziele aus den bereits vorhandenen Mitteln entwickelt.

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