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Chaos-Kompetenz…

ist die Fähigkeit, im Angesicht von erlebtem „Chaos“ ruhig und handlungsfähig zu bleiben, anstatt emotional oder irrational zu reagieren. Im Wirtschaftsbereich erlangte die Auseinandersetzung mit Chaos durch Tom Peters Popularität. Dieser entwickelte1987 eine damals revolutionäre, auf die Chaostheorie aufbauende Strategie für Unternehmen, um mit den immer unsicheren Märkten umzugehen. Der Begriff Chaos-Kompetenz speziell stammt aus der Change-Management Literatur und wurde wesentlich von den Organisationsentwicklern Klaus Doppler und Christoph Lauterburg geprägt.

 

Im Alltag betrachten wir Chaos häufig als willkürliches Durcheinander, das rein zufällig so eintritt.
Doppler und Lauterburg bauen ihre Überlegungen, wie Peters, auf Erkenntnisse aus der Chaostheorie auf. Diese argumentiert, dass „Chaos“ in sogenannten dynamischen Systemen entstehe die durchaus geordnet sind. Warum wirken Entwicklungen in solchen Systemen dann, trotz vorhandener Ordnung, so chaotisch? Weil dynamische Ordnung von uns häufig nicht erkannt werden kann: Entwicklungen in dynamischen Systemen sind kaum vorhersehbar, da die Systeme extrem empfindlich auf Änderungen der Anfangsbedingungen reagieren. Selbst minimale Unterschiede können hier zu sehr verschiedenen Ergebnissen führen. Das Wetter ist ein anschauliches Beispiel dafür. Bereits kleine Unterschiede in der aktuellen Wetterlage können den Wetterverlauf radikal verändern. Aus diesem Grund können Wettervorhersagen nur für einen sehr eingeschränkten Zeitraum und nie mit Sicherheit getroffen werden.

Dieses Prinzip ist auch im Wirtschaftskontext sehr relevant: Doppler und Lauterburg zufolge verhalten sich unter anderem Manager, als könnten Sie Entwicklungen in ihrem Umfeld kontrollieren. Diese Ansicht sei aber nicht mehr zeitgemäß. Unsere turbulente und agile Arbeitswelt (siehe Agilität) wird von den Autoren als „dynamisches System“ verstanden, in dem Entwicklungen teilweise eben nicht vorhersehbar sind. Gibt es keine langfristigen Vorhersagen, sind auch keine langfristig orientierten strategischen Maßnahmen sinnvoll. Deswegen betonen Doppler und Lauterburg die Wichtigkeit der Rolle des „Chaos-Piloten“. Gemeint sind Manger, die offen vorgehen und Prozesse erspüren, anstatt sie ausschließlich nach detailliertem Plan zu handeln. In der Praxis sei diese Rolle bisher aber kaum gefestigt. Es werde noch zu viel Steuerungsfähigkeit vorausgesetzt, in Situationen wo keine Steuerungsmöglichkeit vorhanden ist. Das bringe die ohnehin schon komplexen Systeme in unserem Umfeld durcheinander, was teuer und zeitaufwändig sei.

 

Uwe Böning (mündliche Mitteilung, 2018) zählt zu den wesentlichen Merkmalen der Chaos-Kompetenz neben den von Doppler und Lauterburg aufgeführten Aspekten auch die Fähigkeit, nicht nur Pläne zur Lösung der Situation zu machen, sondern diese auch zielorientiert umzusetzen. Außerdem rechnet er die Fähigkeit hinzu, auf andere Menschen in Chaossituationen überzeugend zu wirken, beruhigen zu können und gemeinsam mit ihnen Wege zur Auflösung des scheinbaren oder tatsächlichen Chaos zu finden und für Orientierung zu sorgen.

 

Charaktereigenschaften von Chaos-Piloten:

  • Chaos wird als komplexe Situation und nicht als Durcheinander eingeordnet
  • Chaos wird wahrgenommen und die Reaktion erfolgt ruhig und emotional ausbalanciert, manchmal auch rational
  • Die Schwierigkeit bis Unmöglichkeit, Entwicklungen in der Umgebung völlig klar, logisch und direktiv zu steuern, wird akzeptiert und durch ein offenes Vorgehen und das sensible Erspüren laufender Prozesse kompensiert
  • Durch herausragendes Zuhören können er/sie aktiv auf Mitmenschen und deren Bedürfnisse eingehen sowie die jeweils angemessene Ansprache wählen

 

Interessant zu wissen: In Aarhus, Dänemark, bildet die Business School Kaospilot sogar gezielt Chaos-Piloten aus. Es lohnt sich, nicht nur die Homepage anzuschauen…

leonie-hentrup

Leonie Hentrup

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