Nein, Toleranz gegenüber Intoleranz ist nicht akzeptabel!

07. November 2018
Toleranz zeigen

Toleranz. Ein Begriff mit Kraft und Würde. Er legt die schützende Hand um das Subjekt, blendet Merkmale wie Glaube, Sexualität oder Geschlecht aus. Die Toleranz duldet Unterschiede. Hält aber dort an, wo Intoleranz anfängt. Damit ist eine häufig gestellte Frage kurz und knapp beantwortet: Nein, Toleranz gegenüber Intoleranz ist nicht akzeptabel!

Toleranz. Ein Begriff mit Geschichte. Im Jahr 1589 füllte ihn Heinrich IV. (Heinrich von Navarra) mit Leben. Um die Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Hugenotten zu beenden, erlaubte er im Edikt von Nantes „den Anhängern der so genannten reformierten Religion, in allen Städten und Ortschaften unseres Königreiches (…) zu leben und zu wohnen, ohne dass dort nach ihnen gesucht wird oder sie bedrückt und belästigt und gezwungen werden, etwas gegen ihr Gewissen zu tun“. Und im Frankfurter Bürgervertrag von 1612 heißt es: „Es sollen hinfüro alle Bürger dieser Stadt, sowohl eingeborene als eingenommene, ohne Unterschied bei allen bürgerlichen Freiheiten gleich geschützt und beschirmt werden.“

Toleranz ist heute zu einem Großteil weniger Ausdruck wahrhaftiger Überzeugung oder vernunftorientierter Notwendigkeit. Es ist vielmehr Puzzlestück einer feinen Image-Kalkulation. Machen wir uns da nichts vor. In Wirtschaft, Sport und Bildung schreibt man sich Toleranz auf die Flagge. So fördern Unternehmen die Vielfalt in ihrer Belegschaft, Fußballverbände sagen „Nein zu Rassismus“ und Elite-Universitäten achten darauf, dass genügend Nicht-Weiße die Chance erhalten, gesellschaftlich aufzusteigen. So weit, so fair. Kann es andererseits sein, dass Toleranz wie ein Mantra in die Welt „geflötet“ wird, dass deren Lebendigkeit und Wirkkraft verblassen?

Wenn in Broschüren, Interviews oder bei Pressekonferenzen immer dieselben formelhaften Redewendungen über den Äther ziehen, verdünnt die fundamentale Bedeutung, die Werten wie Respekt und Toleranz historisch innewohnt; sie verkommt zur Belanglosigkeit. Karl Honikel, Geschichtsaufklärer und Bundesverdienstkreuzträger warnt, Toleranz dürfe nicht als Floskel gebraucht werden. Verantwortliche in den Führungsetagen und in der Politik sind gefragt, vom Automatismus zur Ehrlichkeit zu kommen. Themen – in der Gesellschaft, der Familie, der Politik – kommen zu lassen, intensiv zu behandeln und wache, originelle Beispiele für ein gelingendes Miteinander zu liefern. Fernab von Leitbild, Flipchart und Power-Point-Folien. Durch bedingungslose spürbare Glaubwürdigkeit kann ein neues Bewusstsein unter den Menschen erwachsen, wie Toleranz im Konkreten umgesetzt werden kann. Aufmerken, lernen, nachmachen!


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