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Mensch oder Maschine?

Kennen Sie den Enkeltrick? Bei dieser Betrugsmasche werden Menschen systematisch mit dem Vorwand angerufen, ein naher Angehöriger würde sich in einer finanziellen Schieflage befinden. Das Opfer wird dann dazu gedrängt einen hohen Geldbetrag abzuheben und diesen anschließend einem Mittelsmann zu übergeben.

Diese Masche läuft seit 20 Jahren durchaus erfolgreich und könnte bald ein technologisches Upgrade erfahren: Das vollautomatisierte Telefonat durch einen Sprachroboter.

Google Chef Sundar Pichai hat vor drei Wochen sein Publikum damit verblüfft, dass er mittels eines Sprachbots den Versuch startete in einem Restaurant einen Tisch zu reservieren. Das Faszinierende, neben der Tatsache, dass die angerufene Restaurantangestellte gar nicht merkte, dass sie mit einer Maschine telefonierte: Als Zuhörer war man emotional dazu verleitet, eher Sympathie für den Computer zu empfinden – also für eine Person die de facto gar nicht existierte.

Die Unterscheidbarkeit zwischen Mensch und Maschine wird mit jedem Fortschritt in der Robotik ein wenig schwieriger. Gestern noch war das verbale Gespräch ein deutliches Merkmal für die menschliche Kommunikation. Seit einigen Wochen nun nicht mehr. Dieser Umstand schürt die Angst sozialer Folgen.

In „Der Spiegel“-Kolumne hat sich Christian Stöcker (Kognitionspsychologe) sehr ausführlich mit dieser Thematik beschäftigt. Er plädiert dafür, dass wir unsere gesellschaftlichen Gesetze und Normen rechtzeitig der modernen Welt anpassen sollten. Andernfalls könnte es passieren, dass der nächste Anrufer gar kein wirklicher Anrufer mehr ist, wir es aber gar nicht bemerken.

Auf welche Regeln müssen wir uns als Gesellschaft einigen? Noch haben wir die Möglichkeit präventiv zu agieren. Es ist nur die Frage: Wie lange noch?

Florian Imhäuser