70 Jahre Menschenrechte. Über den Wert einer Vernunft

  08. Oktober 2018

Die Rechte der Menschen feiern Geburtstag.
Am 10. Dezember 1948 verabschiedete die UN-Generalversammlung eine Erklärung, die von acht Männer und Frauen aus Frankreich, Großbritannien, der Sowjetunion, Libanon, den USA, China, Australien und Chile unabhängig von Menschenbildern, Religionen und Philosophien ausgearbeitet wurde. In 30 Artikeln werden Aspekte wie Freiheit, Sicherheit, Bildung, Gesundheit und Wohlbefinden angesprochen – mit der Essenz, Leben und Wert des Menschen zu achten.

Die Erklärung der Menschenrechte ist als Resolution unverbindlich. In dem „Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte“ und dem „Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte“, beide 1966 besiegelt, sind viele Aspekte der Menschenrechtscharta übernommen worden. Die Vertragsparteien sind verpflichtet, regelmäßig Berichte zur Einhaltung vorzulegen. Staaten nutzten die Menschenrechtserklärung als Grundlage für ihre Verfassungen. Das Ziel, nach dem Zweiten Weltkrieg mit groben Leitsätzen ein Signal an die Welt auszusenden und einen universellen Orientierungsrahmen zu etablieren, ist ehrenwert und richtig. Trotzdem scheint Jahrzehnte nachdem die Tinte trocken ist, evidenter denn je: Die Würde des Menschen ist antastbar! In mehr als 50 Ländern werden die Menschenrechte bedroht oder missachtet. Die türkische Regierung verhaftet Journalisten. Willkürlich. In Indien floriert der Sklavenhandel. Auf der Fahrt übers Mittelmeer lassen Friedensuchende ihr Leben.

Die Durchsetzung der Menschenrechte ist der Kampf der Vernunft gegen negative Emotionen wie Hass, Neid oder Misstrauen, die tief in uns verankert sind. Worte sind leicht geschrieben, sie sind frei von Gefühlen. In der Theorie wird der Mensch immer vernünftiger. Die Praxis schleppt sich mit Betonschuhen hinterher. Eine kohärente Menschenrechtspolitik ist utopisch. Zu kompliziert die internationalen Konflikte, zu verhärtet die Fronten zwischen Kriegsparteien, zu triebhaft die Sehnsüchte nach Macht. Außerdem sinkt aktuell die Bereitschaft der Menschen, ethisch und empathisch zu handeln. Rückblickend wäre es vielleicht klüger gewesen, „Menschenpflichten“ zu entwerfen – die den Einzelnen unmittelbar adressieren, ihn anregen, sich zu fragen, was von ihm berechtigterweise eingefordert wird, statt den Fokus auf das „Dürfen“ zu legen.

Ist das „Projekt Menschenrechte“ also gescheitert? Nein! Gefragt sind Bilder, Geschichten und Emotionen! Eine Vorstellung von den Menschenrechten im Konkreten fehlt. Politiker und Medien sind gefordert, die Rechte des Menschen schärfer zu kommunizieren. Sie sollten sichtbar machen, in welchen Situationen Grenzen überschritten werden. So wird jeder Bürger befähigt, ein feineres Gespür für „richtig“ und „falsch“ auszuprägen, damit die Lage der Welt besser zu verstehen. Populisten zeichnen Angst und Schrecken – wer sich zu „den Guten“ zählt, nehme einen frisch gespitzten Bleistift zur Hand, um die Linien der Menschenwürde für alle deutlich erkennbar nachzuziehen. Nennen wir es die Nuancierung von Respekt. Einer Idee!

Herzlich,
Ihr Team von BÖNING-CONSULT®


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