24. Die Sache mit der Lust

  15. Januar 2020
Weitblick ins Jahr 2020 mit Fernglas

Kennen Sie die „German Angst“, diesen Begriff, der es in die englische Sprache geschafft hat, diese biedere Lust am Besorgtsein, die den Menschen hierzulande innewohnt? Im letzten Jahr konnten wir einige Beispiele dieser eigentümlichen Beklemmung wahrnehmen. Im Januar – Stichwort Datenklau – schauten die Politiker im Berliner Regierungsviertel hektisch, ob ihre Handynummer oder E-Mail-Adresse gehackt und private Informationen verbreitet worden waren. Sofort forderten sie neue Gesetze – obwohl es genügt hätte, die alten anzuwenden. Wir haben sie nämlich. Als ans Licht kam, dass ein gelangweilter Teenager die Aktion initiiert hat, war das Staunen groß. Jedenfalls hatten wir damit einen, der sich im digitalen Netz auskannte.

 

Dann das Tempolimit. Ohne dass die Politik ernsthaft darüber diskutiert hätte, schrie das Autoland Deutschland auf und am Lautesten unser Verkehrsminister: freie Fahrt für freie Bürger – das sei eine soziale Errungenschaft. Nur nebenbei: Bei den vielen Baustellen wird man demütig oder aggressiv. Man wird ohnehin ständig auf 120 km/h heruntergedrosselt und gleichzeitig auf 180 gebracht – der Schritt zur Tempogrenze wäre also gefühlt nur ein kleiner.

 

Weitere Angstzonen: die Digitalisierung, die Zuwanderung, der Dieselskandal, die Bildung, die Umwelt et cetera. Leidenschaftlich gerne nehmen wir Witterung auf, wenn eine Veränderung im Raum steht. Die Medien wissen das – sie spielen das Spiel mit. „Geht das?“, „Darf er das?“ oder einfach „Warum?“ eröffnen beliebte Schlagzeilen. Doch: Was bringt Angst, wenn nur ein verschwindender Bruchteil der Befürchtungen eintritt, über die man nachgrübelt, die einen beeindruckt, die Macht über Menschen gewinnt? Was bringt es, sich zu empören, wenn die Statistiken eine andere Sprache sprechen? Sich vorzubereiten auf das, was kommen könnte, ohne die Schönheit und den Genuss des Augenblicks zu vergessen, schon viel mehr. Und einen wachen Verstand zu erhalten, aufmerksam zu sein und sich nicht von Medien oder falschen Propheten indoktrinieren lassen.

 

2020. Zweimal zwanzig, das wirkt mächtig. Das wirkt wie eine Einladung. Eine Einladung, mutig und unerschrocken zu sein. Seinen persönlichen Aufbruch zu wagen, endlich das Land zu bereisen, das man immer schon sehen wollte, endlich den Roman zu schreiben, den man selber gerne lesen möchte – endlich den Traumjob zu ergreifen, endlich die Frau oder den Mann zu heiraten, nach der oder dem man sich sehnt: Hochzeit in 2020. Wenn symbolischer Rückenwind hilft – warum nicht? Endlich….

 

Oder größer gedacht: in der Politik nicht mit Befürchtungen zu argumentieren, sondern mit Visionen zu führen. Unsere Aufgabe: den Ideen der Entscheider offener gegenüberzustehen. „Wir schaffen das“ ist eine großartige Botschaft – wenn man sie fühlt und mit Power und einer klugen Umsetzungsstrategie füllt. Die Menschen mit einbinden und nicht hasenfüßig die „Echternacher Springprozession“ betreiben: „Eins vor und Zwei zurück!“ Wenn die letzte Stunde kommt, bereuen Menschen häufiger jene Dinge, die sie nicht gewagt haben als jene, die sie sich getraut haben, aber gescheitert sind. Wie wäre es also mit „German Mut“?

 

Wir wünschen Ihnen einen selbstbewussten Start ins Jahr 2020. Kommen Sie gut durch, an und weiter!

 

Mit den besten Grüßen
Brigitte Fritschle


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