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37 „Unfassbar!“

„Unfassbar!“ müsste man bei den neuesten Äußerungen von Donald Trump eigentlich wieder laut ausrufen – wenn man nicht schon daran gewöhnt wäre und im Sinne einer Realitäts-Akzeptanz mit einer Fortsetzung rechnen müsste.

"Unfassbar!"

Der amerikanische Präsident verfügt über eine nahezu unwirklich erscheinende Fähigkeit zur Konstruktion eigener Wahrheiten und Wirklichkeiten.

Gerade habe ich auf meinem Smartphone Auszüge aus einer Rede des Präsidenten vor Parteianhängern der Republikaner gehört: Kein einziges Argument, nur emotionale Behauptungen. Kein Beweis, sondern nur sektenhafte Ankündigungen vom künftigen Sieg der Gemeinde. Beifall! Einen Belagerungszustand konstatiert er. Die Feinde draußen werden nur pauschal genannt und angegriffen: Dort sind die schlechten Menschen, die alle lügen.  Und hier, wo ich bin, sind die Guten ... Wir lassen uns durch nichts beirren. Seht, am Ende erwartet uns der Sieg, der Erfolg. Es ist schon erleichternd, dass er nicht auch noch den lieben Gott zitiert, zu dem er anscheinend ein Superverhältnis hat und der selbstverständlich ihm und den Guten beistehen wird.

Fast unfassbar, auf welchem Niveau sich die Rede bewegt. Man kann es nur wiederholen: Mit Trump hat sich das gegenwärtige politische Zeitalter einen unfassbar mächtigen Repräsentanten geholt, der der Welt nicht mehr zulässt, zwischen prüfbaren Wahrheiten und Lügen zu unterscheiden. Seine einzigen Kriterien sind seine Gefühle und seine persönlichen Werturteile. Sein Denken und Handeln fällt in zwei Kategorien: Schwarz oder Weiß. Freund oder Feind. Wahrhaftige und Edle nur auf seiner Seite. Die Bösen auf der anderen.

Das Größe der amerikanischen Tragödie beginnt shakespearesche Ausmaße anzunehmen, während die analytische Tiefe der präsidialen Argumentation konstant das Twitter-Niveau beibehält.

Die regierungsamtlichen Verlautbarungen sind so klar und so amtlich wie die von Jugendlichen einer Grundschule, die in der Theatergruppe Schulsprecher üben. Na ja, da macht es schon fast gar nichts, dass mal der Verteidigungsminister oder der Außenminister zu verschiedenen Themen konträre Meinungen zum Präsidenten vertreten oder der ehemalige FBI-Chef gegen den Präsidenten...

Warum auch: Die Schlammschlacht während des Wahlkampfes ist schon länger ersetzt durch die Operette der nationalen und internationalen Auftritte Trumps. Und die Öffentlichkeit freut sich, weil sie fortwährend mit Filmaufnahmen von den Hand-Kämpfen mit seiner Ehefrau auf dem Gateway oder auf dem roten Teppich gespeist wird. Bunte Berichterstattung statt seriöse und ernstzunehmende Berichterstattung.

Wer sagt dem nackten Kaiser, dass er keine Kleider mehr anhat?

Oder wer sagt ihm, dass es für „America Great Again“ besser wäre, wenn ihm ein anderer Kaiser nachfolgen würde?













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