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38 Speed up! You are in the VUCA World! Really?

Disruption ist überall! Aber die Evolution ist wesentlich langsamer als die Entwicklung der Technik! Welche Entwicklungen wollen wir treiben und welche nehmen wir nur hin? Wollen wir selbst Verantwortung übernehmen oder überlassen wir die Verantwortung anderen?

Oh dear Brave (not quite so) New VUCA World: Wie hälst Du es mit der Politik? Was machst Du mit dem Business? Oder gar, der Liebe?

Politik

Was für eine Welt! Vor etwa zwei Jahren hat Emmanuelle Macron die Regierung von Francois Holland verlassen. Vor ungefähr einem Jahr hat er „En Marche“ gegründet. Vor kurzem ist er zum neuen Staatspräsidenten Frankreichs gewählt worden. Am letzten Wochenende hat seine Partei die Mehrheit im Parlament gewonnen und am heutigen Wochenende im zweiten Wahlgang sogar zu einer absoluten Mehrheit ausgebaut. Welch ein Lauf! Die Erwartungen sind hoch!

Vor gut einem Jahr verlor David Cameron die Volksbefragung über den „Brexit: Ja oder Nein?“ Das Ergebnis kennen wir alle. Theresa May entschied sich vor wenigen Wochen aus einer scheinbar unangefochtenen Position mit einer knappen absoluten Mehrheit für Neuwahlen zum Unterhaus – um ihre Mehrheit auszubauen und gestärkt in die Brexit-Verhandlungen mit der EU einzusteigen. Welch ein Desaster: Jetzt verlor sie die absolute Mehrheit! Sensation? Absehbare Entwicklung? Kurzfristige Umwälzung?

Business

„Disruption“ heißt das inzwischen weit bekannte Zauberwort. Von manchen erseht, von anderen gefürchtet!
Vor ungefähr 10-15 Jahren festigten sich erst in Deutschland die Trends zum Klimawandel. Die Energiebranche z.B. stand noch vor der Kehrtwende in der Klimapolitik. Fukushima sollte erst noch kommen. Heute ist die einstige Gewinnbranche nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Die Solarbranche machte lange Zeit schon etwas her und war richtig auf die Zukunft ausgerichtet. Aber innerhalb weniger Jahre und nach zwei kurz hintereinander folgenden Preissenkungen um jeweils etwa 40 % hatten die chinesischen Angreifer die deutsche Solarindustrie geschlagen. Aus. Vorbei!

Die Arbeitsverhältnisse werden international wesentlich instabiler, als dies bisher lange Zeit galt. „Überall“ aber lockern sich heute die Bindungen. Arbeit auf Zeit, Arbeit als kurzfristige Bindung, neue Formen der tatsächlichen oder der scheinbaren Selbständigkeit entwickeln eine neue Form der Normalität. Für viele Menschen ist das reizvoll. Für viele andere wird es zur aufdämmernden allgemeinen Bedrohung. Die Arbeitsverhältnisse ändern sich und die Wohlstandsverhältnisse ändern sich. (Wann sind eigentlich die Beamten dran?) Man nennt diese Entwicklungen „Flexibilität“. Und sagt den jungen Menschen, dass sie mit sechs bis sieben Jobs in ihrem Leben rechnen müssen. „Nichts ist mehr sicher und auf Dauer stabil!“ so lautet die Botschaft, die Startups euphorisch als neue Freiheit feiern...

Liebe, Familie und Partnerschaft

DER SPIEGEL schrieb in seinem jüngsten Heft (Nr. 24) über die neue Lage an der Liebesfront:Die Zahl derjenigen, die sich nach 26 Jahren Ehe oder mehr scheiden lassen, hat sich zwischen 1992 und 2012 mehr als verdoppelt“ (S. 96). In dem Artikel geht es um ein neues Zeitphänomen: Die Suche nach einer neuen Form der Trennung nach einer langen Zeit des Zusammenlebens, die konstruktiver, versöhnlicher und selbstverständlicher ist als die meist verletzenden, kämpferischen, vorwurfsvollen und kräftezehrenden Auseinandersetzungen, die seit langer Zeit das Auseinandergehen von Paaren kennzeichnen. Ein Gespräch mit der Soziologin Eva Illouz wird zitiert, die schon mehrere Bücher über die Entwicklung der Gefühle und der Liebe geschrieben hat, u.a. das starke Buch „Warum Liebe weh tut“ (2011), in dem sie die soziale Verankerung unserer Liebesvorstellungen ihrer rein romantischen Wurzeln entkleidet und auf ihre gesellschaftlichen Verankerungen zurückführt. Illouz arbeitet gegenwärtig an einem neuen Buch „Unloving“, das die neuen Trennungsformen von Paaren analysiert und diese wiederum jenseits ihrer rein individuellen Erlebnisformen und Begründungen in gesellschaftliche Entwicklungsprozesse einbindet.

Jenseits der lange unsere Vorstellungen von Liebe prägenden Vorstellungen des 18. Und 19. Jahrhunderts sieht sie in der Gegenwart eine andere Dominanz von Werten und Erwartungen der Menschen, die sich lieben und zusammengehen. Folglich auch anders damit umgehen, wenn sie wieder auseinandergehen. Illouz führt das nach Aussage der Spiegel-Autorin (Kerstin Kullmann) stark auf die veränderten Bildungsideale zurück, die früher die kulturellen und moralischen Werte in den Vordergrund rückten, während heute die Zeit geprägt würde von dem Entwicklungsideal der Gefühle, vor allem von dem Primat der Sexualität und der „sexuellen Erfahrung als Statussymbol“. Der Spiegel-Artikel zitiert Illouz so: „Beziehungen werden zunehmend als die Summe vertraglicher Übereinkünfte gesehen... Gehen zu können, wenn die eigenen Ansprüche nicht mehr erfüllt werden, gilt als fundamentales Recht“ (S. 101). „Es ist allein unser Verlangen und unser Gefühl, das legitimiert, was wir tun. Sobald das schwindet, schwindet auch unser Engagement für die Beziehung“ (S. 102).

Fazit:

  • Die „Zeiten“ werden schneller. Technologie und Globalisierung treiben die Entwicklung unaufhaltsam voran. Das wissen wir.
  • Die „Zeiten“ werden komplexer. Das liegt an den gleichen Ursachen. Auch das wissen wir schon.
  • Die Menschen werden anspruchsvoller – in vielerlei Hinsicht: Sie wollen teilnehmen am allgemeinen Wohlstand (dem Lebensstandard), an der Freiheit (des Westens). Sie wollen sich persönlich weiterentwickeln.
  • Die Lebensphilosophie des Westens vom Individuum als Zentrum des menschlichen Universums fasziniert alle, die sich zu kurz gekommen fühlen.

Die individuellen Erwartungen steigen ins nahezu unbegrenzte: Ich brauche das, was mich zufrieden macht. Zufrieden macht mich, was ich haben will.

Aber:

  • Disruption ist überall! Aber die Evolution ist wesentlich langsamer als die Entwicklung der Technik! Viele fühlen sich zunehmend überfordert, weil sie nicht mehr überall mitkommen.
  • Der Stress nimmt überall zu. Grenzwertige Herausforderungen und Überforderung werden zur Normalität. Stressbedingte Krankheiten und krankheitsbedingte Fehlzeiten nehmen zu. „Burnout“ wird zum körpersprachlichen Synonym für: „Ich kann nicht mehr!“
  • Der permanente Wettbewerb sortiert die Menschen in verschiedene Gruppen: Einige wollen diesen Wettbewerb – andere wollen ihn verhindern: Sie plädieren für eine ruhigere Work-Life-Balance.
  • Die Frage ist: nehmen wir die Zukunft an und wollen dorthin kommen? Oder: Wollen wir die Vergangenheit bewahren und stemmen uns gegen die Entwicklungen?
    Welche Zukunft? Welche Entwicklungen? Wo wollen wir beschleunigen und wo wollen wir bremsen?
  • Welche Entwicklungen wollen wir treiben und welche nehmen wir nur hin? Welche Entwicklungen wollen wir aktiv verhindern oder durch Passivität nur halbgar bremsen?
  • Wollen wir selbst Verantwortung übernehmen oder überlassen wir die Verantwortung anderen?

Können Sie selbst alle diese Fragen klar beantworten?
Wissen Sie, wo Sie stehen?
Und wissen Sie, mit wem zusammen Sie das Meiste am besten erreichen?

Sprechen Sie mich an, wir sollten darüber reden ...

Herzlich Ihr Uwe Böning













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