BLOGBEITRAG



28 Nach dem Casino-Kapitalismus nun der Casino-Chef

Es ist kaum zu glauben: Die Wirklichkeit ist noch steigerbar: Donald Trump wird Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika!

Nach einem äußerst schmutzigen Wahlkampf voller Prahlereien, persönlichen Angriffen, Verleumdungen und Drohungen ist es soweit. Trump steht nach einem Wahlsieg gegen eine unglaubwürdige Vertreterin des Establishments kurz vor der Krönung – fast muss man schon sagen: vor der salbungsvollen Krönung zum Präsidenten der USA. Mal sehen, ob sie im Trump-Tower, in einem seiner Golf-Ressorts oder im Vatikan stattfindet. Alles scheint möglich. Vermutlich wird noch im engsten Familienkreis beraten, wo die beste Marketing-Show gelingen könnte, um die Marke Trump zu promoten. Tochter Ivanka als politunerfahrene Schmuckverkäuferin dürfte ein Wort mitreden, wie man liest. „Trump“ mit angeblich etwa 500 Unterfirmen ist ja ein Familienunternehmen.

Es ist also nicht ein Mann oder eine Frau zum Präsidenten gewählt worden, sondern eine Familie.

Na ja, so etwas ist ja nicht unbekannt. In Lateinamerika in Zentralasien, auf den Philippinen und in Afrika soll das schon das eine oder andere Mal vorgekommen sein. Aber wer hatte dort schon den Glamour des „mächtigsten Mannes“ der Welt? Nicht einmal Sarkozy konnte trotz seiner eleganten singenden Ehefrau Carla Bruni die Welt der Mode und des Glamours so gut repräsentieren wie Trump mit seinen Erfahrungen aus seinen Casinos und seinen Immobiliengeschäften. Nicht einmal Putin kann da mithalten, vor dessen vergnügten Augen auch schon mal eine protestierende junge Dame die Brust entblößte.

Aber schon im Vorfeld der Vereidigung des US-Präsidenten drehen viele ehemalige Gegner bei. Zwar weiß keiner so genau, was Trump im Amt tatsächlich machen wird (er hatte ja noch nie ein wichtiges politisches Amt inne), schon dreht die Wallstreet auf einen neuen Kurs und beginnt zu hätscheln.

Mit Trump soll ein mehr oder weniger großer Wirtschaftsaufschwung kommen.

Dem stimmen brandaktuell auch deutsche Wirtschafts-Professoren zu, die in einem Ökonomen-Panel von FAZ und Ifo-Institut im ganzen Satz die Zukunft lesen: Nur mit den Steuern und den Staatsschulden und den Handelsplänen Trumps könnte es Probleme geben…

Aber was soll’s? Peter Thiel aus dem Silicon-Valley wird schon seine Gedanken gehabt haben, als er Trump im Wahlkampf unterstützte. Und der japanische Premierminister Abe dürfte auch nicht interessenlos in Trumps privaten Tower gekommen sein und gewinnend gelächelt haben. Das veröffentlichte Foto im goldenen Prunkraum Trumps war doch schön? Oder?

Ivanka war dabei. Und nebendran ihr Ehemann Kushner. Ich bin gespannt, ob Trump seine Gegner oder seine Wähler, die Arbeitslosen und „Vergessenen“ Amerikas auch in sein Pomp-Home einlädt. Sicherlich wird er kleine Unterschiede machen. Vielleicht Erbsensuppe statt Kaviar?

Nichtsdestotrotz: Sie machen ihm ihre Aufwartungen, im Trump-Tower oder in seinen Golfressorts. Und die Presse ist fotogierig dabei. Sie werden auch entsprechend bedient: z.B. auch Mitt Romney, einer seiner scharfen innerparteilichen Widersacher. Schönes Bild: Trump schaut ihm winkend hinterher… Fallengelassen oder der neue Außenminister?

Auch die Hoffnungen sind zu hören, dass sich der Präsident Trump nicht mehr so zügellos äußert wie während des Wahlkampfes. Fakt ist jedoch, dass sich Trump nach der Wahl dahingehend äußerte, dass Amerika jetzt wieder zusammengeführt werden müsse, in der Zwischenzeit aber angesichts der Stimmen-Nach-Auszählung in Wisconsin, Pennsylvania und Michigan wieder seiner Twitter-Sucht nachgegeben hat (am Sonntagnachmittag): „Millionen Menschen“ hätten angeblich „illegal gewählt“. Belege? Keine!

Shakespeare hätte wahrlich seine Freude gehabt am künftigen Präsidenten. So ein Stoff hätte ihn vielleicht gelockt: Das menschliche Drama aus nächster Nähe zu beobachten und ein neues Theaterstück zu schreiben, hätte ihn vermutlich stark stimuliert. Und seine Botschaft würde lauten können:

Niemals haben Menschen genügend aus der Geschichte gelernt.

Neben dem Sieg steht links der Triumph der Vernunft und das Augenmaß und auf der rechten Seite stehen Krieg und Zerstörung. Oder am Ende könnte auch die Wut stehen, jene neue weltweite Ersatzwährung für den Dollar. Man weiß ja nicht so genau, was kommt. Vielleicht sollten wir nach einem Schamanen rufen, der die Zukunft berechenbarer machen kann!

Was ich als Psychologe dazu sage:

Trump nutzt die Chance als Außenseiter. Er folgt nicht dem üblichen Rollenspiel. Er macht sich zum erfolgreichen Leader, indem er die Regeln bricht. Er zeigt sich authentisch, indem er kein Blatt vor den Mund nimmt und den Stil der etablierten Eliten bewusst missachtet.

Gleichzeitig erklärt er sich zum Sprecher der „Vergessenen“ und „Zukurzgekommenen“. Bei diesen taucht er nicht als Neid-Objekt auf, der den Erfolg hat, den sie selbst nicht haben. Vielmehr imponiert er ihnen als erfolgreicher Geschäftsmann, der die Gewähr zu versprechen scheint, seinen geschäftlichen Erfolg in der Politik zu wiederholen. Er wird sogar zur Projektionsfläche ihrer eigenen Sehnsüchte. „America great again!“ ist die Losung der Verheißung, von der sich viele den Auszug aus ihrem Jammertal versprechen. Die gesellschaftlich und wirtschaftlich Abgesunkenen sonnen sich in seinem Gold.

Interessant auch, wie sich unmittelbar nach der Wahl die Kompassnadel im neuen Magnetfeld nach dem neuen Norden ausrichtete. Glückwünsche und Ergebenheitsadressen aus aller Welt. Schnelle Besuche bei ihm selbst vom japanischen Ministerpräsidenten, aus einem Land, das sonst sehr auf Formalitäten bedacht ist, das aber auch sehr gut den engen Zusammenhang zwischen Politik und Geschäft gewohnt ist…

Fotografisch gut inszenierte Verabschiedungen der vielen Besucher bei Trump. Die mehrdeutige Botschaft ist eindeutig: Er bestimmt, ob es nach einem freundlichen Abschiedsgruß für einen Favoriten aussieht oder nach einem Hinauswinken eines abgehalfterten Widersachers. In jedem Fall hält er Hof - und gar nichts davon, seine Präsidentschaft diskret und würdevoll auszuüben. Er steht vielmehr für das selbstverliebte Amerika: „The winner takes it all!“

Trump zelebriert den Triumph wie ein neuer Aufsteiger, der um die Anerkennung der Etablierten ringt, indem er ihnen unverhohlen zeigt, wo die Macht ist.
Und mit seiner unaufgeklärten Mehrdeutigkeit lässt er die Anderen wissen, wie abhängig sie von ihm sind. Hat er nun gemeint, was er gesagt hat? Macht er wirklich wahr, was er gesagt hat? Er macht einfach das, was er für richtig hält. So, wie er seine Firmen zu führen pflegte.

Ein Präsident der USA, der das Land wieder zusammenführen und versöhnen will? Und kann?













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