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41 Mythen des Unternehmertums:
Nr. 3 „Unternehmer sind Menschenfänger“

Natürlich, Unternehmer sind Menschenfänger. So viel Charisma wie die ausstrahlen, hört man Ihnen gerne zu. Sie haben Ideen, Visionen, diese Aura von Gestaltungswillen. Dieses gewisse je ne sais quoi... Menschenfänger eben. Ihnen will man folgen...

So könnte man ja wirklich denken, denn Unternehmer haben unvermeidlicher Weise etwas mit Menschen zu tun. Selbst in Zeiten der Digitalisierung. Also denen da drinnen und denen da draußen, den Mitarbeitern und Kunden. Startups sollten vielleicht ebenfalls Menschenfänger sei, denn sie brauchen ja diese, um mit ihren Ideen etwas anzufangen. Sie brauchen Förderer, Investoren, Kunden und Mitarbeiter, wenn sie erfolgreich sein wollen! Bei den älteren und erfahreneren Unternehmern sollte das doch auf jeden Fall gegeben sein, denn Sie sind doch erfolgreich und haben augenscheinlich die genannten Anforderungen – und noch einiges mehr – gemeistert... Also?!

Es gibt solche und solche, und dann noch jene...

Aber wie meistens im Leben gibt es ja sehr unterschiedliche Gruppen von Unternehmern: Nicht nur junge Unternehmer und Jungunternehmer, sondern noch jüngere und noch ältere! D.h., zwischen jungen Startuppern, erfolgreichen Unternehmern, über erfolgreiche Senioren bis hin zu echten Oldies im Alter von über 90 Jahren – von denen es in den USA über 1000 geben soll – gibt es alles. Natürlich auch solche, die mal erfolgreich waren und immer noch weitermachen, obwohl sie schon längst ihren Zenit überschritten haben. Die aber nicht aufhören, weil sie entweder nicht aufhören können oder nicht aufhören wollen, weil das Geschäft ihr ein und alles ist.

Na ja, jede Schubladeneinteilung ist möglich – und manchmal auch sinnvoll. Wissenschaftlich arbeitende Statistiker werden vermutlich anders antworten als die meisten Menschen, die einfach nach ihrer persönlichen Statistik gehen. Meine Tochter hat mir gesagt... Mein Fahrer sagt immer ... In unserer Firma ist das so... Ich habe in meinem Leben die Erfahrung gemacht... Mir ist noch niemand begegnet... Anders gesagt: Es wirkt das Prinzip der „Mexikaner-Statistik“, die Sie vermutlich kennen: „Alle Mexikaner gehen im Gänsemarsch – jedenfalls die zwei, die ich gesehen habe!“

...aber alle sind Menschenfänger?

Und ungefähr so ist es auch mit der Fähigkeit zum „Menschen einfangen“: Es hat mit dem unternehmerischen Verhalten an sich rein gar nichts zu tun. Es gibt unter Unternehmern echte Menschenfänger und solche, die es gerne wären, aber andere einfach immer wieder verprellen. Es gibt Sonderlinge, die wenig reden, aber dafür unbeirrt „ihr Ding“ machen, ähnlich wie Fußballer, die mal grandiose Tore schießen und dann monatelang nicht mehr treffen. Es gibt Firmenchefs, die von offener Kommunikation rein gar nichts halten und solche, die – ob sie es wollen oder nicht – einfach mit Menschen nicht besonders gut können und schlechte Vortragsredner oder seltsame Partykiller sind. Es gibt faszinierende Redner als eigenständige Unternehmer, die große Firmen managen oder auch als Blender scheitern. Es gibt eben alle Varianten.

Dass Unternehmer große Menschenfänger sind, wünschen sich meistens die Anteilseigner, die ihre Anteile versilbert haben wollen. Oder Journalisten, die Helden für ihre Stories suchen. Oder Mitarbeiter, die sich nicht mitgenommen fühlen. Oder Männer im Hintergrund, die die Fäden ziehen, aber andere das Geschäft machen lassen wollen. Man schaue sich nur die Titelbilder des Manager-Magazins an und verfolge deren wirkliche Geschichten im Laufe der Zeit: Welche Helden bleiben da übrig?

Fazit

Manche Unternehmer sind auch Menschenfänger. Aber es gilt mehr: Die wenigsten Menschenfänger sind auch gute Unternehmer.













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