BLOGBEITRAG



5 Ja, so war’s. Ja, so war’s.
Ja, so war der junge Böhmermann…

Zu singen sind diese Zeilen auf die bekannte Weise von den „alten Rittersleut“ – denn es handelt sich ja um Satire. Vorgeblich um Satire und Humor. Aber eigentlich auch von einer kommunikativen Entgleisung eines Comedians. Und von dem Kampf von Journalisten und Medien um die Meinungs- und Pressefreiheit in unserem Land.

Aber das reicht noch nicht. Von einer notwendigen Revision des Rechts wird gesprochen, von der Aufhebung des Majestätsbeleidigungs-Paragraphen. Und die letzte Meinungsumfrage, gestern Abend von der „Tagesschau“ veröffentlicht, kündete davon, dass der größte Teil der Bundesbürger die Entscheidung von Angela Merkel, die die Einleitung einer staatsanwaltschaftlichen Untersuchung gegen Jan Böhmermann ermöglichte, nicht für gut befand. Von einer Staatsaffäre ist die Rede. Einfach lachen kann man darüber schon lange nicht mehr. Die Angelegenheit ist vielmehr zum Weinen. Aus mehreren Gründen.

Böhmermann: Das Gedicht und das Gericht

Böhmermanns Gedicht über Erdogan ist umstritten wegen seines unflätigen und beleidigenden Tons. Erdogan fühlt sich beleidigt und stellt in Deutschland Strafantrag. Deutsche Journalisten und Comedian-Kollegen werfen sich in die Schlacht für die Pressefreiheit und schlagen Böhmermann mehrfach für eine Preisverleihung vor. Frau Merkel, bis vor kurzem noch für die heimliche Königin Europas gehalten, ist beschädigt – und das schon zum zweiten Mal in wenigen Wochen: vor kurzem in der Flüchtlingskrise und nun durch Ihr vermeintliches oder tatsächliches Nachgeben, die mögliche Strafbarkeit des Gedichts von Herrn Böhmermann durch die Gerichte klären zu lassen. Abgeordnete waschen ihre Hände in Unschuld. Sie verweisen die Problemlösung in souveräner Verkennung der Lage in die Zuständigkeit der Gerichte.

„Toll, was Böhmermann da geschafft hat!“

„Wunderbar“: Alle sind beschädigt. Welch ein Knalleffekt für einen Comedian! Tosender Beifall von Künstlern und Comedians: Toll, was Böhmermann da geschafft hat! Auch wenn es ihm jetzt psychisch nicht gut geht und er für Wochen abgetaucht ist. Wer hat so etwas schon als Kerbe auf seinem verbalen Revolvergriff?! Der „Spiegel“, die „Zeit“, die „FAZ“, die „Frankfurter Rundschau“, die „Welt“ und wer alles noch melden sich zu Wort. Böhmermann sollen für seine Leistung Preise zugesprochen werden. Auch Didi Hallervorden steuert eine sprachliche Niveaulosigkeit bei. Und schließlich wird in der Tagesschau am guten Sonntag-Abend eine Deutschland-Umfrage zitiert, als ginge es um historisch wichtige politische Wahlen. Und das Beste ist: Fast alle sind sich einig: Die Meinungs- und Pressefreiheit muss verteidigt werden – geht es doch um den türkischen Staatspräsidenten Erdogan als Feind, der mal als Diktator beschimpft und ein anderes Mal als EU-Retter für ein paar Milliarden Euro gekauft wird, damit die dramatische Flüchtlingskrise mit einem elend unmoralischen Angebot der EU gelöst werden kann, auch wenn sie das Europa der Stacheldraht-Grenzen nun endgültig in eine moralische Glaubwürdigkeitskrise stürzt. Ach so, Angela Merkel folgt jetzt der SPD in angemessenem Abstand in die Selbstzerstörung. Und die Vernunft, die Perle der Aufklärung, bekommt jetzt weit und breit keinen großen Kredit mehr. Dafür siegt überall die Selbstgerechtigkeit und das schlechte Gefühl, dass gerade endlos viel in die Brüche geht…

Keine Sieger mehr, aber Triumphatoren. Opfer an allen Stellen, nicht zuletzt bei den Flüchtlingen.

Verdunkelt sich Deutschland? Unerwartet? Jenseits der archaischen Reflexe müsste man psychologisch nachdenken.













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