BLOGBEITRAG

24. September 2018
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MAAß-LOOS!

Der Mann ist jetzt maaß-los. Und der Vorgang ist maaß-los. Selten hat ein oberster Verfassungsschützer so viel geleistet wie er. Besser gesagt: Sich selbst so viel geleistet. Aber er kann auch schweigen, wenn er nicht reden will. Er kann auch die Bundeskanzlerin bloßstellen, wenn er will. […]

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Der Mann ist jetzt maaß-los. Und der Vorgang ist maaß-los. Selten hat ein oberster Verfassungsschützer so viel geleistet wie er. Besser gesagt: Sich selbst so viel geleistet. Aber er kann auch schweigen, wenn er nicht reden will. Er kann auch die Bundeskanzlerin bloßstellen, wenn er will. Und er wollte ja – und tat es auch. Er kann auch die gesamte Regierung bloßstellen. Und er tat auch das!  Oder soll die ganze Republik glauben, dass der etwas altmodische Kleinbrillen-Träger nicht wusste, was er mit seinen Kommentaren und dem öffentlichen Widerspruch gegen die Kanzlerin zu Chemnitz auslösen würde?

 

Aber die Republik schäumte. Zumindest die Medien und einige gewohnte Lautsprecher der Parteien. Allen voran die der SPD. Und die Spitzenfrau Andrea Nahles schaffte es sogar, die Groko offen an den Rand ihres Endes zu reden. Nicht nur an den ihren, sondern auch an den der eigenen Partei: Indem sie öffentlich vom Ende der Groko sprach, das sie nicht verantworten wollte – wegen dieser angeblich geringfügigen „Lapalie Maaßen“. Dann kamen auch Stimmen der CDU dazu. Bis zum heutigen Samstag (22.09.) aber hat die Kanzlerin noch kaum ein Wort dazu gesagt. Sie schweigt und lässt die anderen reden, die offen in ihrer jeweiligen Tonlage darüber reden, dass die Kanzlerin ihre Macht verliert. Sie selbst redet bisher nicht zur Sache. Vielleicht heute Nachmittag oder heute Abend nach dem Spitzentreffen der drei Parteivorsitzenden. Sie glaubt offenbar, sie stehe darüber. Aber faktisch wird für alle klar: Sie führt nicht mehr. Vielleicht moderiert sie sogar ihr eigenes Schweigen.

 

Sie überlässt es anderen: der Generalsekretärin, den alten Veteranen des 2. Weltkrieges und den Überlebenden des Holocaust – die sich erinnern, wie es damals war.

Aber sie hat sich vor einiger Zeit nicht nur auf dem Parteitreffen der CSU auf offener Bühne von Seehofer demütigen lassen und hat ausgeharrt. Sie hält auch jetzt aus, wo Mister Seehofer sie abermals vorführt. In einer politisch gesehen unglaublichen Posse: Der, der geschasst werden muss wegen politischer Inakzeptanz, wird durch einen völlig offenen Aufstieg zum Staatssekretär belohnt! Faszinierend: Die Volksparteien zerlegen sich wenige Wochen vor der Wahl selbst – vor aller Weltöffentlichkeit…

Kann man es wirklich glauben – oder ist es nur ein Traum? Ob die AfD sich das hat träumen lassen: Die führenden Köpfe der CSU redeten sich schon im Sommer mit der CDU um Kopf und Stimmen. Erst diese  posaunenhafte Selbstzerfleischung (die vielleicht auch einfach nur auf die damals herrschenden Temperaturen zurückzuführen war), dann das Macht-Possenspiel von Herrn Seehofer und Herrn Maaßen um die Zurechtweisung der Kanzlerin durch einen zweitklassigen Mitarbeiter – und wieder passiert nicht nur nichts, sondern es wird ein Stück aufgeführt, das aus Lateinamerika stammen könnte: Die Bundesrepublik Deutschland als offiziell anerkannte Bananenrepublik mit einer unverhüllten und frappierenden Belohnung für einen geschassten Mitarbeiter (und Gesinnungsgenossen?)!

Und diese Woche einfach fast nebenbei im Radio und TV: Die AfD steht diese Woche als zweitstärkste Partei in Deutschland auf der Tafel. Natürlich nur 1 Punkt vor der SPD. Und die Süßmaler sind sofort am Werk: Natürlich können da Messfehler in der Rechnung sein. Selbstverständlich gibt es noch Chancen in den nächsten Tagen vor der Wahl, das Ergebnis zu verbessern… Und außerdem: Bisher war es ja nur ein Meinungsforschungsinstitut… Und deshalb…

 

Die Nachkriegszeit ist nicht einfach vorbei. Sie ist auch nicht schon lange endgültig vorbei. Vielmehr sind wir schon lange in einem anderen Theaterstück, einem bedrohlichen: Der Weltkrieg ist schon so lange vorbei, dass sich kaum einer noch daran erinnert. Das Pendel schlägt schon lange von linksliberal zurück nach rechts und erreicht jetzt mit Schwung die Mitte!

 

Werden es die positiven Optimisten wieder nicht glauben? Auch an Regentagen können manche Leute im Zeitalter Trumps die Verluste noch als Beginn des schönen Wetters preisen.


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