Handlungsmöglichkeiten finden:
Ein Gespräch mit Dr. Stefan Oefner-Py
Herr Dr. Oefner-Py, die lange Partnerschaft zu Böning-Consult ist ein Beweis für vertrauensvolles gemeinsames Arbeiten. Wann begann alles, was waren und was sind die Ziele?
Es begann im Juli 1988 im Büro von Böning-Team. Ich hörte von kommunikativen Ich-Strukturen, Unternehmenskulturanalysen, dem Zusammenhang von Selbstwertgefühl und Leistungsmotivation im Verhalten von Führungskräften und dachte: „Hier bin ich richtig“.Uns verbindet eine gemeinsame Überzeugung, dass Organisationen als lebendige Organismen zu verstehen und zu behandeln sind, dass wir uns dazu eines vielfältigen Repertoires aus allen Disziplinen und Schulen bedienen können, dass Veränderungen nur im Dialog untereinander gelingen, und dass das alles in einer Haltung entschlossener Gelassenheit und heiterer Ernsthaftigkeit am besten zu machen ist.
Qualifizierung der Mitarbeiter in Unternehmen: ein Reizthema oder ein selbstverständliches Instrument in der Personalarbeit?
Heutzutage werden selbst für einfachste Sachbearbeitungsaufgaben einigermaßen komplexe Werkzeuge eingesetzt (ich versuche gerade, auf der Suche nach einer Telefonnummer sicher durch die Menüführung meines mobilen Telefons zu navigieren). Inhaltliche Zusammenhänge und Techniken änderen sich ständig. Die Halbwertszeit von Fähigkeiten und Fertigkeiten ist kurz geworden. Diese Erfahrung weist auf die Selbstverständlichkeit von Qualifizierung hin. Zugleich ist das aber auch ein Reizthema. Aus meiner Sicht weniger, weil Personalarbeit zu wenig vorausschauend und konsequent betrieben wird, sondern, weil Mitarbeiter wie Führungskräfte Qualifizierungsbedarf häufig als Defizit interpretieren und es ihnen schwer fällt, ihre Kompetenzlücken oder gar ihr Überforderungsempfinden anzusprechen.
Welche Strategien und Konzepte bieten Sie den Unternehmen dazu an?
Qualifizierungsmaßnahmen sind immer Teil von Veränderungen im Unternehmen. Konkret hat das zur Folge, dass wir Weiterbildung schon lange nicht mehr isoliert anbieten, sondern ganz in die Begleitung von Change-Prozessen integrieren. Konkret: Die Ausbildung von Moderatoren findet statt, wenn moderierte Workshops für den Prozess wesentlich sind. Projektmanagement-Qualifizierung greift an realen Projekten. Führungskräfte-Entwicklung ist Teil der Unternehmensentwicklung.In Ihren Vorträgen, Seminaren und Publikationen geht es immer wieder um effizientes Projektmanagement. Was bedeutet das?
Es geht zunächst um die Fähigkeit, einzuschätzen, welche Themen oder Aufgaben besser in Form eines Projektes oder aber besser in anderen Formen zu bearbeiten sind, z.B. in Arbeitskreisen, Task-Forces, Aktionen oder ganz einfach als normale Routine in einer bestehenden Abteilung.Es geht zunächst um die Fähigkeit, einzuschätzen, welche Themen oder Aufgaben besser in Form eines Projektes oder ganz einfach als normale Routine in einer bestehenden Abteilung.Sie waren einer der ersten, die sich mit dem Sinn-Management beschäftigt haben. Was steckt dahinter?
Manage-Ment sagt uns ja, dass die Disziplin eine mentale Seite hat. Der Manager agiert mit Hand (Manus) und Verstand (Mens). Damit ist er zwar vordergündig voll handlungsfähig, aber es fehlt noch etwas: Wonach soll er handeln? Der Begriff Management ist an sich wertneutral, das Leben aber nicht. Zum lebensbezogenen und damit praktischen Management muss also eine Ausrichtung, eine Orientierung, ein Sinn treten, der aus der unendlichen Fülle von Handlungsmöglichkeiten die sinnvollen herausfiltert und verankert. So weit – so trivial.In Zeiten grassierender Orientierungslosigkeit einerseits und nicht mehr überschaubarer Menge an Handlungsmöglichkeiten andererseits ist das Thema Sinn-Management hochaktuell.
Womit sollte sich eine Führungskraft heute beschäftigen?
Mit ihren Mitarbeitern.Was sind aus Ihrer Sicht die Unternehmensberater-Themen der Zukunft?
Die zunehmende Virtualisierung von Strukturen und damit einhergehend die Auflösung der heutigen Gestalt von Unternehmen.Die Integration von Mikro- und Nanotechnologie hat die Bedeutung einer industriellen Revolution. Neue Prozesse und Abläufe sind zu entwickeln und zu etablieren.
Die Zukunft der Arbeit: Worin Leistung besteht und wie sie zu bewerten ist, steht vor einer Neubestimmung. Das bedeutet andere Beschäftigungsverhältnisse, andere Personalarbeit, andere Kalkulationsansätze.
Die Bewirtschaftung von begrenzten Märkten: Eine grundlegende Veränderung der Marktwirtschaft steht an. Strategieentwicklung muss dem Rechnung tragen.
Wenn Ihnen die gute Fee heute drei Wünsche erfüllen würde, welche wären das?
Für mich selber keine. Ich liebe die Menschen in meiner Nähe. Ich liebe meinen Beruf. Ich bin ein glücklicher Mensch.Für die Welt, in der ich lebe, habe ich schon drei Wünsche: Mehr Solidarität. Mehr Verantwortungsgefühl. Mehr heitere Gelassenheit. Am liebsten in dieser Kombination.
Welche Fragen wollen Sie Dr. Stefan Oefner-Py stellen oder was möchten Sie mit ihm besprechen? Senden Sie eine E-Mail an oefner-py@boening-consult.com oder rufen Sie an unter 069 6698250.

